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Suzi Q

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Suzi Quatro hat seit 1973 55 Millionen Platten verkauft. Trotzdem werden sich ...
 
... viele jüngere Leser jetzt fragen, wer diese Suzi Quatro ist sein mag … und die noch jüngeren fragen sich, was eigentlich „Platten“ sind …
 
Can the Can
 
Der Verfasser dieser Zeilen ist mit Suzi Quatro aufgewachsen. Geboren in dem Jahr ihrer ersten Charterfolge, habe ich Frau Quatro bereits als Kind im Radio gehört. Von Ihrem Duett mit Chris Norman kenne ich sowohl die deutsche als auch die französische Version, die aus irgendeinem Grund von einer Amerikanerin und einem Italiener gesungen wurde (ja, die 70er waren ein merkwürdiges Jahrzehnt). Also warum geht mir Liam Firmagers Dokumentation über Frau Quatros Leben und Wirken so furchtbar auf die Nerven?
 
Während der ersten Drei bis Vier Minuten ist alles in Ordnung. Jede Menge Zitate erfolgreicher Musikerinnen über die Künstlerin, jede Menge Bilder aus den verschiedensten Schaffensphasen, jede Menge weitere Zitate weiterer Weggefährten, … alles vielleicht ein bisschen viel, aber noch nicht zu viel. Noch nicht. Und dann hören wir die erste von vielen Fragen, die diesen Film eine überdeutliche Schlagseite verpassen. Regisseur Firmager fragt aus dem Off: „Wie kommt man damit klar, dass man (für Ruhm und Erfolg) einen Preis zahlen muss, den die Öffentlichkeit nicht sieht?“
 
Was soll das denn für eine Frage sein? Zunächst einmal, woher weiß Firmager, was die Öffentlichkeit sieht oder gesehen hat? Und auch wenn ein Dokumentarfilmer das Objekt seines Films nicht ins Kreuzverhör nehmen muss, wäre nicht ein Minimum an kritischer Distanz angebracht? Oder überhaupt Distanz? Oder zumindest Augenhöhe? Mit Fragen wie dieser kniet man doch vor dem Interviewten. Das ist keine Reportage, das ist Heldenverehrung.
 
Suzi Quatro, seit bald fünf Jahrzehnten ein Star und im Umgang mit Presse und Fans sicher gleichermaßen bewandert, wird auf diese Frage doch sicher eine gelassene, sympathische Antwort geben können. Oder auch nicht. Denn sie meint, „Du musst Dich von einem bequemen, perfekten Leben verabschieden.“ und lässt damit nicht nur jede Menge Selbstmitleid erkennen, sondern auch noch einen eher wackligen Kontakt zur Realität. Frau Quatro stammt aus Detroit. Während Suzis erfolgreichster Jahre hat ihre Heimatstadt 60% der Bevölkerung verloren und ist trotzdem die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate der USA geworden. Ja, dort hätte eine Schulabrecherin wie Suzi Q sicher ein „bequemes, perfektes Leben“ führen können. Ach, wenn sie doch bloß kein Star geworden wäre …
 
If You Can’t Give Me Love
 
Aber über die traurige Geschichte Detroits erfahren wir in diesem Film nichts. Dafür bleibt einfach keine Zeit. Dauernd müssen immer neue Gesprächspartner von Suzi Q erzählen. In halbnaher Einstellung aufgenommene, statisch dasitzende Interviewpartner nennt man in der Fachsprache übrigens „talking heads“. Und Firmager zeigt uns in seinem Film so viele dieser „talking heads“, dass irgendwann mittendrin buchstäblich zwei echte „Talking Heads“ zu sehen sind, nämlich Tina Weymouth und Chris Frantz von der Band „Talking Heads“. Und all diese „talking heads“ singen solange das Loblied auf Suzi Q, bis eine von Ihnen am Ende buchstäblich ein Lied darüber singt, wie toll Frau Quatro doch ist.
 
 
Daneben hat Firmagers Film noch Zeit uns die Daten zu jedem einzelnen Lied, jeder Tournee, jeder einzelnen Station in Suzis Karriere zu präsentieren. Musik hören wir zwar nur wenig und wenn dann immer nur kurz. Aber wir bekommen zu jedem Lied jede internationale Chartposition eingeblendet. „48 Crash“ war in Kanada auf Platz 91. Sollen wir jetzt beeindruckt sein? Oder den nächstbesten Kanadier fragen, warum seine Eltern vor Siebenundvierzig Jahren diese Platte nicht gekauft haben?
 
Dazwischen versichert uns Frau Quatro, sie sei niemals ein Kommerzprodukt gewesen. Kurz darauf erfahren wir, wie sie für das Verlassen eines Flugzeuges während einer Tournee passende Kleidung angelegt und wie sie für das japanische Publikum nach ihrer echten Hochzeit mit ihrem damaligen Mann noch eine japanische Hochzeit nachgestellt hat. Ja, da ist jemand keinerlei Kompromisse eingegangen.
 
Vor kurzem konnte man in „Ronnie Wood – somebody up there likes me“ einem wunderbar altersmilden, sympathischen älteren Herren zuhören. In „Suzy Q“ muss man sich wundern, wie eine Frau von beinahe Siebzig noch immer so viel alten Groll hegen kann. Frau Quatro spricht vom „Neid“ ihrer Freundinnen vor mehr als Fünfzig Jahren. Sie ist noch immer verärgert über eine Flaute in ihrer Karriere zwischen 1974 und 1977. Und sie „hofft immer noch vergeblich auf ein Lob meiner Familie“ und vermutet, für ihre Schwestern sei das „vielleicht die Rache, weil ich sie nicht mitgenommen habe“.
 
Nicht nur, wenn wir sehen, wie Suzi ihre Schwestern in alten Aufnahmen als ihre „Backgroundsängerinnen“ bezeichnet, wird der Film deutlich zu lang. 98 Minuten sind eigentlich gar nicht besonders lang für eine gut gemachte Dokumentation. Aus „Suzi Q“ hätte man aber aus den ersten 80 Minuten eine gute halbe Stunde und aus den letzten 18 Minuten eine Viertelstunde rausschneiden können und hätte den Film damit aufgewertet. Irgendwann ganz am Schluss erwähnt Suzi einen „Rainer“ aber Firmager hat weder Zeit noch Muße aufzuklären, wer das sein könnte. Für besonders interessierte Leser reichen wir diese Information nach: der Deutsche Rainer Haas ist seit 27 Jahren Quatros Ehemann.
 
 
Fazit
 
„Suzi Q“ ist keine Dokumentation sondern ein Fan-Film. Und weil für einen Fan-Film über eine Musikerin viel zu wenig Musik zu hören ist, ist „Suzi Q“ nicht einmal ein besonders guter Fan-Film.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Liam Firmager
  • Drehbuch: Liam Firmager
  • Besetzung: Suzi Quatro, Alice Cooper